Joe Hisaishi in der Suntory Hall: zeitgenössisches Orchesterprogramm jenseits der Filmhits
Joe Hisaishi kehrt mit einem Konzert in die Suntory Hall in Tokyo zurĂŒck, das deutlich eine andere Seite seines Schaffens zeigt. Statt eines Abends, der aus seinen bekanntesten Filmthemen besteht, prĂ€sentiert FUTURE ORCHESTRA CLASSICS Vol.8 zwei groĂe Orchesterpartituren: Philip Glass' "Low" Symphony beziehungsweise Symphony No. 1 und Hisaishis neues Concerto for Orchestra. Hisaishi dirigiert das Ensemble Future Orchestra Classics, Konzertmeister ist Kaoru Kondo.
Das Konzert in der Main Hall beginnt um 19:00 Uhr, die TĂŒren öffnen sich um 18:15 Uhr. Es handelt sich um die zweite von zwei aufeinanderfolgenden AuffĂŒhrungen desselben Programms in Tokyo in der Suntory Hall. FĂŒr ein Publikum, das Hisaishi vor allem mit der Musik zu den Filmen von Hayao Miyazaki verbindet, ist der wichtigste praktische Hinweis, dass dies kein Programm mit den gröĂten Ghibli-Themen ist. Im Mittelpunkt stehen Minimalismus, zeitgenössisches Orchesterschreiben, Rhythmus und der Klang eines groĂen Ensembles.
Der Termin zieht zusĂ€tzlich Aufmerksamkeit auf sich, weil er unmittelbar auf Hisaishis groĂe amerikanische Konzertserie folgt. Im Juli trat er mit dem Los Angeles Philharmonic im Hollywood Bowl auf, und vom 11. bis 17. August gab er sieben Abende in Folge in der Radio City Music Hall in New York. Wenige Tage vor dem Konzert in Tokyo wurde auĂerdem bekannt gegeben, dass seine Auftritte im Tokyo Dome, im Hollywood Bowl und in der Radio City Music Hall mit drei Guinness-Weltrekorden ausgezeichnet wurden. Die RĂŒckkehr aus groĂen Veranstaltungsorten in die akustisch prĂ€zise Suntory Hall rĂŒckt daher seine Rolle als Komponist und Dirigent in den Vordergrund und nicht nur die des Schöpfers weltweit berĂŒhmter Filmmusik.
Es lohnt sich, die Eintrittskarten rechtzeitig zu sichern, besonders wenn eine Reise nach Tokyo eigens um diesen Konzertabend herum geplant wird.
Ein Programm, das David Bowie, Philip Glass und Hisaishis neue Phase verbindet
Die erste groĂe SĂ€ule des Programms ist Philip Glass' "Low" Symphony. Das Werk entstand 1992 als seine erste Symphonie und greift auf musikalisches Material des Albums "Low" von David Bowie und Brian Eno aus dem Jahr 1977 zurĂŒck. Glass fertigte keine Orchestertranskription des Popalbums an, sondern nahm dessen Motive als Ausgangspunkt fĂŒr seine eigene symphonische Sprache.
Die Symphonie besteht aus drei SĂ€tzen. "Subterraneans", "Some Are" und "Warszawa" gehen von Bowies und Enos Material aus, doch Glass entwickelt es durch Wiederholung, schrittweise VerĂ€nderungen, geschichtete Rhythmen und groĂe orchestrale Bögen weiter. Auf der Seite des Komponisten zu diesem Werk wird eine Dauer von ungefĂ€hr 42 Minuten angegeben. FĂŒr Hörer, die Bowies "Low" kennen, kann dies eine interessante Möglichkeit sein, vertraute Konturen in einem völlig anderen Klangraum wiederzuerkennen, wĂ€hrend Glass-Liebhaber eines jener Werke erleben, die seinen umfangreichen symphonischen Katalog eröffneten.
Die Wahl gerade dieser Partitur passt gut zur IdentitĂ€t der Reihe Future Orchestra Classics. Hisaishi ist seit seinen frĂŒhen Jahren als Komponist eng mit dem Minimalismus verbunden, und in seinen eigenen Konzertprojekten stellt er seine Musik regelmĂ€Ăig neben Komponisten wie Steve Reich und Philip Glass. Es handelt sich daher nicht um eine zufĂ€llige "Crossover"-Verbindung, sondern um ein Programm, das mehrere musikalische Welten miteinander verbindet, mit denen sich Hisaishi seit Jahrzehnten beschĂ€ftigt.
Concerto for Orchestra erreicht das Publikum in Japan
Die zweite HĂ€lfte des Programms bringt Hisaishis Concerto for Orchestra als japanische ErstauffĂŒhrung. Das Werk entstand als Gemeinschaftsauftrag von zehn Orchestern, Konzertinstitutionen und Organisationen, darunter das National Symphony Orchestra in Washington, das Toronto Symphony Orchestra, Carnegie Hall, das Chicago Symphony Orchestra, das San Francisco Symphony, das Orchestre de Paris und das Royal Philharmonic Orchestra.
Die UrauffĂŒhrung fand im Mai im Kennedy Center in Washington statt, wo Hisaishi das National Symphony Orchestra dirigierte. Das Werk ist in fĂŒnf SĂ€tzen geschrieben und dauert ungefĂ€hr 45 Minuten. In seiner eigenen Werknotiz erklĂ€rt Hisaishi, dass ihn das Orchester als zentraler TrĂ€ger des Ausdrucks interessiert: nicht das Orchester als Mittel, um etwas auĂerhalb der Musik zu "erzĂ€hlen", sondern die Energie, die Bewegung und das VerhĂ€ltnis seiner Gruppen und einzelnen Instrumente selbst.
Der erste und dritte Satz betonen die rhythmische Bewegung, der zweite und vierte schaffen mehr Raum fĂŒr melodische Soli einzelner Instrumente, wĂ€hrend der Schlusssatz diese beiden Prinzipien miteinander verbindet. Gerade diese Anordnung zeigt gut, worauf man live achten kann: auf die PrĂ€zision des gemeinsamen Pulses, die ĂbergĂ€nge zwischen den Orchestergruppen, kurze Momente, in denen einzelne Instrumente in den Vordergrund treten, und die Art, wie sich das groĂe Ensemble wieder zu einem Ganzen zusammenfĂŒgt.
Das Programm ist daher sowohl fĂŒr das Orchester als auch fĂŒr das Publikum anspruchsvoll, allerdings nicht deshalb, weil es Kenntnisse zeitgenössischer Musiktheorie voraussetzt. Den gröĂten Gewinn bringt aufmerksames Hören auf VerĂ€nderungen von Rhythmus, Dichte und Klangfarbe. FĂŒr diesen Abend sind keine zusĂ€tzlichen Solisten oder GĂ€ste bestĂ€tigt; angekĂŒndigt sind Hisaishi als Dirigent, Future Orchestra Classics und Kaoru Kondo als Konzertmeister.
Future Orchestra Classics ist kein Begleitorchester fĂŒr Filmmelodien
Future Orchestra Classics wurde 2019 unter Hisaishis Leitung auf der Grundlage des Nagano Chamber Orchestra gegrĂŒndet. Die Reihe war zunĂ€chst stark auf Beethovens Symphonien ausgerichtet, widmete sich anschlieĂend Brahms und Schubert und verbindet in den vergangenen Jahren immer offener das klassische Repertoire mit der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.
FĂŒr Vol.7 fĂŒhrten Hisaishi und dasselbe Ensemble Steve Reichs "The Desert Music" auf, und diese AuffĂŒhrung wurde direkt in der Suntory Hall aufgenommen. Die Aufnahme erschien spĂ€ter auf dem Album "Joe Hisaishi Conducts", gemeinsam mit Hisaishis Werk "The End of the World". Das gibt einen konkreten Hinweis auf die Ă€sthetische Richtung des aktuellen Programms: Rhythmus ist nicht bloĂ Hintergrund, sondern konstruktives Material, und das Orchester wird als Ă€uĂerst prĂ€ziser, beweglicher Organismus behandelt.
Kaoru Kondo ist erneut Konzertmeister. In einem solchen Programm ist diese Rolle nicht nur protokollarischer Natur. Das Orchester muss schnell reagieren, einen komplexen Puls halten und zugleich klare Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen bewahren. FĂŒr ein Publikum, das die Details von Streichern, Schlagwerk, BlĂ€sern und Klavier innerhalb eines groĂen Orchesterklangs hören möchte, bietet dieses Konzert mehr Hörmaterial als ein typischer Abend mit Filmthemen.
Hisaishi ist derzeit als Konzertkomponist ebenso bedeutend wie als Schöpfer von Filmmusik
Joe Hisaishis PopularitĂ€t beruht auf seiner Musik zu den Filmen von Hayao Miyazaki, doch seine aktuelle Karriere ist zugleich stark auf den Konzertsaal ausgerichtet. Neben dem Komponieren arbeitet er in den vergangenen Jahren zunehmend intensiv als Dirigent mit fĂŒhrenden Orchestern.
Diese Phase zeigt sich auch in seinen jĂŒngsten Veröffentlichungen. Das Album "Symphony No. 3 'Metaphysica' & Harp Concerto" erschien am 24. Juli 2026 mit dem Royal Philharmonic Orchestra und dem Harfenisten Emmanuel Ceysson. Es handelt sich um zwei groĂe Konzertwerke, die bestĂ€tigen, dass Hisaishi sein heutiges Repertoire nicht ausschlieĂlich auf neuen Orchestrierungen bekannter Filmmelodien aufbaut.
Gleichzeitig ist sein Filmpublikum nicht verschwunden. Nach Abschluss der groĂen Ghibli-Tour im Tokyo Dome 2025 startete er im Laufe des Jahres 2026 das Joe Hisaishi Cinema Music Concert und trat mit diesem Format in Los Angeles und New York auf. Genau deshalb ist FUTURE ORCHESTRA CLASSICS Vol.8 ein interessanter Querschnitt: Nur wenige Tage nach groĂen Hallen und einem Filmmusikprogramm wechselt Hisaishi in Tokyo zu Glass und seinem eigenen neuen Orchesterkonzert.
FĂŒr wen dieser Abend besonders interessant ist
Dieses Konzert kann ein sehr unterschiedliches Publikum ansprechen, doch die Erwartungen sollten genau eingeordnet werden.
- Liebhaber von Joe Hisaishi, die seine zeitgenössische Seite hören möchten - Concerto for Orchestra reprĂ€sentiert seine neueste groĂe Orchestersprache, ohne sich auf Filmnostalgie zu stĂŒtzen.
- Publikum mit Interesse am Minimalismus - Philip Glass und Hisaishi begegnen sich auf dem gemeinsamen Terrain von Wiederholung, rhythmischer Energie und schrittweiser Entwicklung musikalischer Muster.
- Fans von David Bowie - "Low" Symphony bietet eine unerwartete Fortsetzung des Lebens des Albums "Low" in symphonischer Form, insbesondere durch die Themen "Subterraneans", "Some Are" und "Warszawa".
- Ghibli-Publikum mit Offenheit fĂŒr Konzertmusik - Hisaishis unverkennbares GespĂŒr fĂŒr Klangfarbe und Orchestrierung bleibt prĂ€sent, doch das Programm besteht nicht aus Themen aus "Spirited Away", "My Neighbor Totoro", "Princess Mononoke" oder anderen Filmfavoriten.
Wenn der Hauptgrund fĂŒr den Besuch der Wunsch ist, "Merry-Go-Round of Life" oder andere bekannte Filmthemen live zu hören, ist dieses Programm nicht als ein solcher Abend konzipiert. Wenn das Ziel darin besteht zu erleben, wie Hisaishi als zeitgenössischer Komponist und Dirigent denkt, dann bildet genau das den Mittelpunkt des Konzerts.
Die Suntory Hall ist ein wichtiger Teil des Erlebnisses
Die Suntory Hall im Stadtteil Akasaka im Tokyoter Bezirk Minato-ku wurde 1986 eröffnet. Die Main Hall verfĂŒgt ĂŒber 2.006 PlĂ€tze und ist im sogenannten Vineyard-Stil gestaltet, bei dem das Publikum in terrassenförmigen Blöcken um die BĂŒhne angeordnet ist. Sie war der erste Konzertsaal dieses Typs in Japan.
Diese Architektur ist nicht nur eine visuelle Besonderheit. Der Saal wurde mit besonderem Augenmerk auf Klarheit, stabilen Bass, ein dreidimensionales KlanggefĂŒhl und die FĂ€higkeit entworfen, selbst sehr leise Details durch den gesamten Raum zu ĂŒbertragen. Bei voll besetztem Saal betrĂ€gt die Nachhallzeit im mittleren Frequenzbereich ungefĂ€hr 2,1 Sekunden. FĂŒr ein Programm, das auf prĂ€zisen rhythmischen Schichten und VerĂ€nderungen der orchestralen Textur beruht, ist eine solche Akustik besonders relevant.
Hisaishi und Future Orchestra Classics haben bereits eine direkte Verbindung zu diesem Saal. "Joe Hisaishi Conducts" wurde wĂ€hrend der AuffĂŒhrungen 2024 live in der Suntory Hall aufgenommen, sodass Vol.8 an den Ort zurĂŒckkehrt, an dem die vorherige Phase ihrer gemeinsamen Arbeit dokumentiert wurde.
Der Kartenverkauf fĂŒr diese Veranstaltung lĂ€uft. FĂŒr Besucher, die nach Tokyo reisen, ist es sinnvoll, die Eintrittskarte zu sichern, bevor der Abendplan und die Anreise endgĂŒltig festgelegt werden.
Anreise nach Akasaka und praktische Informationen
Die Suntory Hall befindet sich an der Adresse 1-13-1 Akasaka, Minato-ku, Tokyo, innerhalb des Komplexes Akasaka ARK Hills. Ăffentliche Verkehrsmittel sind fĂŒr die meisten Besucher die einfachste Möglichkeit. Von der Station Roppongi-itchome an der Namboku Line, Ausgang 3, sind es ungefĂ€hr fĂŒnf Minuten zu FuĂ bis zum Saal. Von der Station Tameike-sanno an der Ginza Line, Ausgang 13, betrĂ€gt der FuĂweg ungefĂ€hr sieben Minuten.
Die nĂ€chstgelegene Bushaltestelle ist Akasaka Ark Hills, von der aus der Saal ungefĂ€hr zwei bis drei Minuten entfernt ist. FĂŒr die Anreise mit dem Auto stehen Parkmöglichkeiten in der NĂ€he zur VerfĂŒgung, doch die Metro ist fĂŒr die meisten Besucher die einfachere Option.
- Ort: Suntory Hall, Main Hall, Akasaka, Minato-ku, Tokyo.
- TĂŒröffnung: 18:15 Uhr.
- Beginn: 19:00 Uhr.
- Mitwirkende: Joe Hisaishi, Dirigent; Future Orchestra Classics; Kaoru Kondo, Konzertmeister.
- Programm: Philip Glass' "Low" Symphony und Joe Hisaishis Concerto for Orchestra.
- Altersregel: Kindern im Vorschulalter ist der Zutritt zu dieser AuffĂŒhrung nicht gestattet.
Die Veranstalter haben weder die Gesamtdauer des Konzerts noch bestĂ€tigte Informationen ĂŒber eine Pause veröffentlicht, daher sollte die Abreise nicht anhand eines angenommenen Endzeitpunkts geplant werden. Schon die beiden Partituren haben ein umfangreiches Format: Glass' Symphonie dauert ungefĂ€hr 42 Minuten, Hisaishis Concerto for Orchestra ungefĂ€hr 45 Minuten. FĂŒr die Weiterreise nach dem Konzert ist es vernĂŒnftig, einen zeitlichen Puffer einzuplanen.
Wenn Sie zum ersten Mal in die Suntory Hall kommen, erleichtert eine frĂŒhere Ankunft die Orientierung im ARK-Hills-Komplex und den Eintritt ohne Eile. Die Vineyard-Anordnung des Publikums um die BĂŒhne vermittelt ein anderes GefĂŒhl rĂ€umlicher NĂ€he zum Orchester als ein klassisches Parkett mit Balkon.
Es lohnt sich, die Eintrittskarten rechtzeitig zu sichern und anschlieĂend die Anreise anhand der Bahnlinien zu planen, die nach Roppongi-itchome oder Tameike-sanno fĂŒhren, statt sich auf eine Autofahrt durch den abendlichen Verkehr zu verlassen.
Quellen:
- Joe Hisaishi Official Website - aktuelle Nachrichten, Biografie, Alben, Amerika-Tournee, Guinness-Auszeichnungen und Angaben zur UrauffĂŒhrung des Concerto for Orchestra.
- Joe Hisaishi Concert - bestĂ€tigte Mitwirkende und Programm von FUTURE ORCHESTRA CLASSICS Vol.8, Kaoru Kondo, TĂŒröffnung, Geschichte der Reihe und Programmnotizen.
- Suntory Hall - Veranstaltungskalender, KapazitÀt und Akustik der Main Hall, Adresse, Metro, Bus und Parkmöglichkeiten in der NÀhe.
- Philip Glass Official Website - Entstehung, Struktur und ungefÀhre Dauer der Symphony No. 1 "Low".
- Boosey & Hawkes - Struktur in fĂŒnf SĂ€tzen, ungefĂ€hre Dauer und internationale AuftrĂ€ge fĂŒr Hisaishis Concerto for Orchestra.