Péricles bereitet für Rock in Rio ein Motown-Spektakel vor: Pagode, Soul und R&B treffen auf der Sunset-Bühne aufeinander
Der brasilianische Sänger Péricles kommt zu Rock in Rio 2026 mit einem Auftritt, der sich wesentlich von seinem üblichen Konzertprogramm unterscheidet. Im besonderen Projekt "Péricles Canta Motown" wird eine der bekanntesten Stimmen des zeitgenössischen brasilianischen Samba und Pagode am 7. September auf der Sunset-Bühne Klassiker interpretieren, die mit Motown verbunden sind, jenem Plattenlabel, das die Entwicklung von Soul, R&B und globaler Populärmusik entscheidend beeinflusst hat. Laut einer am 29. August veröffentlichten Reportage von Folha de S.Paulo ist das Konzert als Set aus 13 Liedern konzipiert, und zu den öffentlich bestätigten Titeln gehören "Superstition" von Stevie Wonder, "My Girl" von The Temptations und "Cruisin'" von Smokey Robinson. Péricles hat einen Teil des Repertoires bereits bei einer Probe mit Maestro Maurício Piassarolla ausprobiert, während Kostüme, Musiker und die visuelle Identität des Auftritts die Verbindung zur amerikanischen Black-Music-Tradition zusätzlich hervorheben sollen. Damit wird das Festival dem Publikum die seltene Gelegenheit bieten, Péricles außerhalb des Repertoires zu hören, für das er am bekanntesten ist, jedoch in einem musikalischen Raum, der seinen Worten zufolge seit Langem Teil seiner Identität als Interpret ist.
Der Auftritt ist für Montag, den 7. September, in der Cidade do Rock im Olympiapark in Rio de Janeiro angesetzt. Nach dem aktuellen Festivalprogramm soll Péricles die Sunset-Bühne um 20:10 Uhr Ortszeit betreten. Am selben Tag treten auf dieser Bühne Vanessa da Mata mit Rubel, Roupa Nova mit Guilherme Arantes sowie Laufey auf, die das Abendprogramm der Sunset-Bühne abschließt. Auf der Hauptbühne Mundo umfasst das Programm am 7. September Luísa Sonza mit Roberto Menescal, Jon Batiste, Gilberto Gil und Elton John. Rock in Rio 2026 findet am 4., 5., 6., 7., 11., 12. und 13. September statt, und das offizielle Line-up zeigt, dass die Ausgabe erneut als breiter Querschnitt aus Rock, Pop, elektronischer Musik, brasilianischer Populärmusik, Samba, Pagode, Soul und R&B konzipiert ist.
Dreizehn Lieder, aber das gesamte Repertoire wurde noch nicht öffentlich bekannt gegeben
Der konkreteste Einblick in die Vorbereitungen kam einige Tage vor Beginn des Festivals. Folha de S.Paulo berichtete, dass Péricles zusammen mit Maestro Maurício Piassarolla und einem schwarzen Konzertflügel während einer Probe einen Teil des Materials präsentierte, das er für Rock in Rio vorbereitet. Die drei damals gespielten Lieder zeigen zugleich die Breite der geplanten Hommage: "Superstition" gehört zum Katalog von Stevie Wonder, "My Girl" ist einer der bekanntesten Standards von The Temptations, während "Cruisin'" durch die Soloarbeit von Smokey Robinson eine anspruchsvollere, spätere Phase des Motown-Sounds repräsentiert. Derselben Quelle zufolge sind diese Lieder Teil eines Sets aus insgesamt 13 Hits. Bis zum 30. August war die vollständige Liste der Lieder nicht offiziell veröffentlicht worden, weshalb es zu früh ist zu behaupten, welche weiteren Interpreten und Epochen aus dem Motown-Katalog im endgültigen Programm vertreten sein werden.
Die offizielle Website von Rock in Rio beschreibt das Projekt als eine neue Phase in der Präsentation von Péricles und betont dabei seine Fähigkeit, sich dem Repertoire mit einem ausgeprägten Gespür für Soul zu nähern. Als zentrale Idee heben die Veranstalter die Präsentation von Motown-Klassikern durch die Stimme eines Interpreten hervor, der seit Jahrzehnten mit Samba und Pagode verbunden ist. In einer früheren Ankündigung des Festivals wurden Marvin Gaye, Stevie Wonder, The Supremes, The Temptations und The Jackson 5 als Teil des historischen Kreises von Künstlern erwähnt, der den Referenzrahmen des Auftritts definiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass Lieder all dieser Interpreten für das endgültige Set aus 13 Kompositionen bestätigt wurden; offiziell und journalistisch bestätigt sind bislang "Superstition", "My Girl" und "Cruisin'". Diese Unterscheidung ist wichtig, weil das Projekt auf einem sehr umfangreichen Katalog beruht und die endgültige Auswahl der Lieder eines der Überraschungselemente unmittelbar vor dem Konzert bleibt.
Péricles erklärte gegenüber Folha, dass er Motown nicht nur als Sammlung alter Hits betrachtet, sondern als ein Modell, das die Art verändert hat, wie Populärmusik produziert, arrangiert und gehört wird. Im selben Gespräch betonte er auch die Verbundenheit der musikalischen Traditionen der afrikanischen Diaspora, von den rhythmischen Mustern, die die brasilianische Musik geprägt haben, bis zu den Gesangsstilen, die sich in den Vereinigten Staaten und anderen Teilen Amerikas entwickelt haben. Seine Absicht sei es, wie er sagte, dem Publikum Musik näherzubringen, von der ein Teil der Hörer möglicherweise glaube, sie nicht zu kennen, obwohl ihre Muster seit Jahrzehnten in Mainstream-Pop, Soul, R&B und zahlreichen nationalen Szenen verankert sind. In diesem Sinne ist "Péricles Canta Motown" nicht als Nachahmung der Originale gedacht, sondern als interpretative Brücke zwischen musikalischen Sprachen, die seit Langem miteinander kommunizieren.
Warum Motown viel mehr als eine nostalgische Wahl ist
Der historische Kontext von Motown erklärt, warum ein solches Projekt auf einer großen Festivalbühne mehr als nur ein Retro-Programm ist. Nach Angaben des Smithsonian Center for Folklife and Cultural Heritage gründete Berry Gordy 1959 in Detroit Motown Records, und das Label entwickelte einen unverwechselbaren Klang, der auf starken Melodien, rhythmischer Unmittelbarkeit, Studioarrangements und einer auf ein breites Publikum zugeschnittenen Produktion beruhte. Das Smithsonian hebt hervor, dass Motown zum ersten Plattenlabel in schwarzem Besitz wurde, das erfolgreich mit großen landesweiten amerikanischen Plattenfirmen konkurrieren und mit Künstlern wie The Miracles, The Supremes, Four Tops und Stevie Wonder internationalen Erfolg erzielen konnte. Das Motown Museum in Detroit gibt an, dass Gordy das Unternehmen mit einem Darlehen von 800 Dollar aus einem Familienfonds startete und dass seine Idee einer "Hitfabrik" teilweise durch seine Arbeitserfahrung in der Automobilindustrie geprägt wurde.
Das Ergebnis war nicht nur eine Reihe kommerziell erfolgreicher Singles. Motown half in den 1960er-Jahren dabei, schwarzen Künstlern Raum auf dem amerikanischen Mainstream-Markt zu eröffnen, zu einer Zeit, als die Musikindustrie und die Gesellschaft insgesamt noch stark von Rassentrennung geprägt waren. Aus den Studios von Hitsville U.S.A. gingen Interpreten und Autoren hervor, die zu globalen Referenzen wurden: Smokey Robinson und The Miracles, The Supremes, Marvin Gaye, Stevie Wonder, The Temptations, Four Tops, Martha and the Vandellas und später The Jackson 5 sind nur ein Teil dieses Erbes. Hinter vielen Aufnahmen standen die als The Funk Brothers bekannten Studiomusiker, deren rhythmische Präzision eine der Grundlagen des sogenannten Motown-Sounds bildete. Deshalb erinnert die Wahl von Motown für Péricles' Festivalprojekt gleichzeitig an die Geschichte der Plattenindustrie, den kulturellen Durchbruch afroamerikanischer Musik und den dauerhaften Einfluss dieses Klangs auf Künstler weit außerhalb der Vereinigten Staaten.
Für ein Publikum, das Péricles in erster Linie mit Pagode verbindet, ist diese Verbindung auf den ersten Blick möglicherweise nicht offensichtlich, doch der Sänger selbst erklärt, dass er Soul und R&B bereits lange vor diesem Projekt hörte und in seine Arbeit einbezog. Im Februar hob er bei einem Gespräch über seine Pläne für Rock in Rio den Einfluss von Stevie Wonder, Michael Jackson und Smokey Robinson auf sein eigenes Verständnis von Gesang und Vokalarrangements hervor. Folha hielt vor dem Festival fest, dass die Idee, diesen Teil seiner musikalischen Identität stärker hervorzuheben, zusätzlichen Auftrieb erhielt, nachdem er "Stand by Me" von Ben E. King in seine Konzerte aufgenommen hatte. Dieses Lied ist keine Motown-Veröffentlichung, veranschaulicht jedoch gut den breiteren amerikanischen Soul- und R&B-Kontext, aus dem Péricles seine Repertoire- und Interpretationsreferenzen schöpft.
Von Exaltasamba zur Solokarriere und zu einem neuen Festivalformat
Die offizielle Biografie von Péricles verbindet seinen beruflichen Weg seit 1986 mit Exaltasamba, als er eine der Stimmen der Gruppe wurde, die sich zu einem der bekanntesten Namen des brasilianischen Pagode entwickeln sollte. Nach einer langen Zeit mit der Gruppe begann er 2012 eine Solokarriere und veröffentlichte weiterhin Studio-, Konzert- und audiovisuelle Projekte. Im Laufe dieser Jahrzehnte entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, der auf einer tiefen Stimme, melodischer Phrasierung und der Verbindung von Samba mit romantischem Pop-Empfinden beruht. Gerade diese vokale Eigenschaft ist einer der Gründe, weshalb ein Motown gewidmetes Projekt überzeugender wirkt als ein gewöhnliches Festival-"Cover"-Set: Die Lieder wurden für einen Sänger ausgewählt, dessen Interpretationsweise sich auf natürliche Weise an die Traditionen von Soul, Gospel und R&B anlehnen kann, ohne seine eigene brasilianische Identität aufzugeben.
Der Kurator von Rock in Rio und Vizepräsident für das künstlerische Programm von Rock World, Zé Ricardo, sagte gegenüber Folha, dass Péricles' Auftritt auch die Bandbreite des Festivals selbst und dessen Absicht zeige, dem Publikum das gesamte Spektrum des Talents des Sängers zu präsentieren. In diesem Sinne ist das Projekt in die Identität der Sunset-Bühne eingebettet, auf der im Programm 2026 eine größere Zahl speziell konzipierter Kooperationen und Themenkonzerte erscheint. Am selben Wochenende wurden dort unter anderem Jota Quest mit einem Repertoire von Tim Maia, Roupa Nova mit Guilherme Arantes, João Gomes mit Orquestra Brasileira sowie Projekte angekündigt, die Künstler verschiedener Generationen und Genres zusammenführen. Sunset funktioniert damit nicht nur als kleinere Alternative zur Hauptbühne, sondern als Raum, in dem das Festival Konzerte entwickelt, die sich oft nicht einfach aus den Standardtourneen der Künstler übertragen lassen.
Für Péricles ist dies ein besonders wichtiger Rahmen, weil "Canta Motown" von ihm eine andere Dynamik des Auftritts verlangt. Pagode stützt sich stark auf kollektive Energie, Schlaginstrumente, rhythmisches Zusammenspiel und unmittelbare Kommunikation mit dem Publikum, während ein großer Teil des Motown-Repertoires präzise geformte Gesangslinien, feste Grooves, Bläser- und Keyboardfarben sowie eine Dramaturgie erfordert, die auf kurzen, außerordentlich wiedererkennbaren Liedern beruht. Der Sänger gibt seine musikalische Sprache nicht auf, sondern bringt sie in einen Dialog mit einem anderen System des Arrangierens und Aufführens. Genau darin liegt das größte kreative Potenzial des Konzerts: Wenn die richtige Balance gefunden wird, erhält das Publikum weder "amerikanisierten" Pagode noch eine bloße Reproduktion alter Motown-Aufnahmen, sondern eine neue Festivalform, die rund um Péricles' Stimme aufgebaut ist.
Die visuelle Identität soll dem musikalischen Thema folgen
Die Vorbereitungen beschränken sich nicht auf das Repertoire. Péricles kündigte im Gespräch mit Folha an, dass die Auswahl der Kleidung und der Musiker Teil einer Atmosphäre sein werde, die auf die Welt der Black Music verweist, obwohl Einzelheiten des Bühnenbilds und das endgültige visuelle Konzept bis zum 30. August nicht öffentlich vorgestellt worden waren. Dadurch bewahren die Veranstalter ein Überraschungselement, doch es ist klar, dass "Péricles Canta Motown" als vollständiges Festivalprojekt gedacht ist und nicht nur als eine Reihe von Coverversionen. Auch Rock in Rio betont in der offiziellen Ankündigung des Auftritts, dass das Projekt eine andere Seite des Sängers zeigt und musikalische Wurzeln feiert, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Diese Formulierung erhält durch die Natur des Motown-Erbes zusätzliches Gewicht. Das Label prägte nicht nur den Klang, sondern auch die Präsentation der Künstler, die Choreografie, Bühnendisziplin und visuelle Identität, die entscheidend für den Eintritt schwarzer Künstler in den amerikanischen Fernseh- und Konzert-Mainstream waren. Im heutigen Kontext verlangt eine solche Geschichte einen sorgfältigen Umgang: Eine zeitgenössische Hommage darf nicht auf kostümbezogene Nostalgie reduziert werden, sondern muss zeigen, warum diese Lieder auch heute noch relevant sind. Péricles' Projekt versucht dies zu erreichen, indem es von den gemeinsamen Wurzeln schwarzer Musik auf beiden Seiten des Atlantiks und von der Tatsache ausgeht, dass sich Soul, R&B, Samba und Pagode seit Jahrzehnten durch Rhythmus, vokale Interpretation und Populärkultur gegenseitig berühren.
Eines der interessantesten Projekte des 7. September
Das Programm von Rock in Rio am 7. September konzentriert sich besonders auf Künstler, bei denen starke Interpretation und historische musikalische Bezüge im Vordergrund stehen. Auf der Sunset-Bühne treten vor Péricles Vanessa da Mata mit Rubel und Roupa Nova mit Guilherme Arantes auf, nach ihm folgt Laufey, eine Künstlerin, deren zeitgenössischer Pop sich auf Jazz, orchestralen Klang und klassische Singer-Songwriter-Traditionen stützt. Gleichzeitig verbindet die Mundo-Bühne brasilianischen Pop und Bossa Nova durch Luísa Sonza und Roberto Menescal, zeitgenössischen amerikanischen Soul und Jazz durch Jon Batiste, das Werk von Gilberto Gil sowie den Katalog von Elton John. Péricles' Motown-Set ist daher keine isolierte programmatische Kuriosität, sondern Teil eines Tages, an dem das Festival gezielt verschiedene Generationen der Populärmusik miteinander verbindet.
Nach dem derzeit veröffentlichten Zeitplan liegt sein Termin um 20:10 Uhr im zentralen Abendteil des Programms, vor Laufey auf der Sunset-Bühne und vor den abschließenden Auftritten auf der Hauptbühne. Dies erhöht die Sichtbarkeit des Projekts und präsentiert es einem Festivalpublikum, das nicht unbedingt Pagode oder Péricles' Diskografie verfolgt. Für den Künstler ist es eine Gelegenheit, sein eigenes Publikum tiefer in die Geschichte von Soul und R&B einzuführen, aber auch Hörern, die Motown kennen, zu zeigen, wie diese Lieder durch die Stimme und Erfahrung eines Musikers klingen, der in der brasilianischen Samba-Tradition geprägt wurde.
Acht Tage vor dem Auftritt, am 30. August, sind die wichtigsten Elemente des Konzerts bereits bekannt: Datum, Bühne, Uhrzeit und Konzept sowie drei der insgesamt 13 Lieder. Verborgen bleiben der größere Teil der Setlist sowie die vollständige visuelle und arrangementbezogene Gestaltung des Auftritts. Gerade dieser Raum zwischen Bekanntem und Unenthülltem macht "Péricles Canta Motown" zu einem der faszinierenderen Sonderprojekte des diesjährigen Rock in Rio. Wenn das angekündigte Konzept konsequent umgesetzt wird, könnte das Konzert zeigen, dass Péricles' Verbindung zu Soul und R&B nicht am Rand seiner Karriere liegt, sondern tief in den musikalischen Einflüssen verwurzelt ist, die seine Interpretation von Samba und Pagode seit Jahrzehnten geprägt haben.
Quellen:
- Folha de S.Paulo - Reportage über die Probe, das Repertoire aus 13 Liedern, bestätigte Stücke, Aussagen von Péricles und das Konzept des Auftritts (Link)
- Rock in Rio - offizielle Seite des Projekts "Péricles Canta Motown" und Beschreibung seines Platzes im Festivalprogramm (Link)
- Rock in Rio - offizielles Line-up für den 7. September 2026 und Zeitplan der Künstler nach Bühnen (Link)
- Gshow / Globo - veröffentlichte Auftrittszeiten bei Rock in Rio 2026, einschließlich Péricles' Termin auf der Sunset-Bühne (Link)
- Smithsonian Center for Folklife and Cultural Heritage - historischer Kontext von Motown Records, Gründung 1959 und Rolle des Labels bei der Entwicklung von R&B und dem internationalen Erfolg schwarzer Künstler (Link)
- Motown Museum - Angaben zu Berry Gordy, der Gründung von Motown und der Entwicklung des Modells der "Hitfabrik" in Detroit (Link)
- Péricles - offizielle Biografie mit Angaben zu seiner Zeit bei Exaltasamba und dem Beginn seiner Solokarriere (Link)