Andy Ruiz Jr. kehrt nach mehr als zwei Jahren zurück: Beim Wiegen so leicht wie seit 2018 nicht mehr
Andy Ruiz Jr., ehemaliger vereinigter Schwergewichts-Weltmeister und einer der bekanntesten Boxer seiner Generation, kehrt am Freitag, dem 4. September 2026, gegen den Polen Damian Knyba im Prudential Center in Newark im US-Bundesstaat New Jersey in den Ring zurück. Für den 36-jährigen Ruiz wird es der erste Profikampf seit mehr als zwei Jahren sein, und das offizielle Wiegen zeigte, dass er bei seiner Rückkehr nicht mit jenem Gewicht antritt, das während seiner Karriere häufig für Gesprächsstoff sorgte. Ruiz brachte 254,3 Pfund auf die Waage, sein niedrigstes offizielles Gewicht seit 2018. Knyba wog 255,5 Pfund, sodass die beiden Schwergewichtler im Ring nur etwas mehr als ein Pfund trennen wird, obwohl der Pole einen deutlichen Vorteil bei Körpergröße und Reichweite besitzt. Laut der offiziellen Ankündigung des Veranstalters ist ihr Kampf der Hauptkampf des Abends in Newark.
Die Zahl vom Wiegen zieht besondere Aufmerksamkeit auf sich, weil Ruiz während seiner Karriere körperlich nie dem klassischen Bild eines Elite-Schwergewichtlers entsprach, aber gerade durch die Kombination aus Explosivität, Handschnelligkeit und der Fähigkeit zum Kampf auf kurze Distanz die Spitze der Gewichtsklasse erreichte. Boxing News Online berichtet, dass 254,3 Pfund das niedrigste Gewicht sind, das Ruiz seit Juli 2018 hatte, als er gegen Kevin Johnson mit 252 Pfund antrat. In der Zwischenzeit wurden seine Gewichtsschwankungen zu einem wichtigen Teil der Geschichte über seinen Aufstieg, seinen Absturz und seine Versuche, wieder an die Weltspitze zurückzukehren. Im ersten Kampf gegen Anthony Joshua 2019 wog er 268 Pfund, während er für den Rückkampf im selben Jahr deutlich schwerer mit 283,7 Pfund erschien. Bei seinem letzten Auftritt gegen Jarrell Miller 2024 wog er 274,4 Pfund, was bedeutet, dass er für die Rückkehr gegen Knyba offiziell mehr als 20 Pfund leichter ist als damals.
Mehr als zwei Jahre ohne Kampf und die Rückkehr nach einer Handverletzung
Ruiz boxte zuletzt am 3. August 2024 in Los Angeles gegen Jarrell Miller. Der Kampf endete mit einem Mehrheits-Unentschieden: Zwei Punktrichter werteten 114-114, während der dritte 116-112 für Miller gab, was Berichte des World Boxing Council und von ESPN bestätigen. Ruiz zeigte nach dem Kampf seine verletzte rechte Hand und erklärte, dass die Probleme während des Kampfes begonnen hätten, wobei die Verletzung den weiteren Verlauf seiner Karriere zusätzlich erschwerte. Obwohl es sich um einen Boxer handelt, der zeitweise drei große Weltmeistergürtel gleichzeitig hielt, war seine Kampffrequenz in den vergangenen Jahren äußerst gering. Von der Niederlage gegen Joshua im Rückkampf Ende 2019 bis zum Duell mit Miller im August 2024 absolvierte er lediglich drei Kämpfe.
In diesem Zeitraum besiegte Ruiz Chris Arreola und Luis Ortiz und erreichte anschließend ein Unentschieden gegen Miller. Premier Boxing Champions berichtet, dass er Ortiz im September 2022 dreimal zu Boden schickte und durch einstimmige Punktrichterentscheidung gewann, wodurch sich damals erneut die Möglichkeit für einen ernsthafteren Angriff auf die Spitze des Schwergewichts eröffnete. Danach folgte jedoch eine fast zweijährige Pause bis zum Miller-Kampf und anschließend eine weitere mehrjährige Unterbrechung bis zur aktuellen Rückkehr in Newark. Ein solcher Zeitplan bedeutet, dass Ruiz im Alter von 36 Jahren nicht nur seine Qualität, sondern auch seine Fähigkeit beweisen muss, Kontinuität aufrechtzuerhalten, was im Schwergewicht für den Weg zu großen Kämpfen entscheidend ist. Die Rückkehr gegen Knyba ist deshalb nicht nur ein weiterer Auftritt, sondern ein Test dafür, inwieweit sich seine Ambitionen in tatsächlichen sportlichen Schwung umsetzen lassen.
Ruiz sagt, dass er während der Pause mehr als 300 Pfund wog
Die Veränderung auf der Waage erhält durch Ruiz' öffentliche Aussagen vor seiner Rückkehr zusätzliche Bedeutung. In Gesprächen während der Kampfwoche sprach er über eine Phase, in der er sich körperlich und mental vom Boxen entfernt hatte, und talkSPORT berichtete über seine Aussage, dass sein Gewicht während der Pause auf über 300 Pfund gestiegen sei. Dieselbe Quelle berichtet, dass Ruiz in der Vorbereitung mehr als 40 Pfund abgenommen habe und dass der Rückkehrprozess Veränderungen seiner Ernährungsgewohnheiten sowie die erneute Zusammenarbeit mit Trainer Manny Robles umfasste. Ruiz beschrieb die Zeit nach der Verletzung und der Inaktivität als sehr schwierig, begleitet von Motivationsverlust und Zweifeln an der Fortsetzung seiner Karriere. Sein Gewicht von 254,3 Pfund ist deshalb der erste messbare Hinweis darauf, dass er das Trainingslager für Knyba wesentlich anders absolviert hat als einige seiner früheren Vorbereitungen.
Die Zahl auf der Waage allein sagt natürlich nicht aus, wie Ruiz über zwölf Runden aussehen wird. Weniger Körpergewicht kann ihm bei Bewegung, Tempo und Ausdauer helfen, doch nach mehr als zwei Jahren ohne Wettkampfrhythmus wird die größte Frage sein, in welchem Maß sein Timing, seine Reflexe und seine charakteristische Geschwindigkeit bei Kombinationen zurückgekehrt sind. In seinen besten Auftritten war Ruiz äußerst gefährlich, wenn er auf mittlere und kurze Distanz an den Gegner herankam, wo er Schläge schneller aneinanderreihen konnte als die meisten Schwergewichtler. Gegen einen deutlich größeren Gegner wird dieses Element erneut wichtig sein, weil Knyba über die körperlichen Voraussetzungen verfügt, den Kampf auf größerer Distanz zu halten. Deshalb wird sich erst im Ring zeigen, ob das niedrigere Gewicht ein Zeichen für eine umfassendere sportliche Rückkehr oder in erster Linie das Ergebnis einer erfolgreich absolvierten körperlichen Vorbereitung ist.
Erneut mit Manny Robles, dem Trainer aus der größten Nacht seiner Karriere
Eines der wichtigeren Details von Ruiz' Rückkehr ist die erneute Zusammenarbeit mit Manny Robles. Matchroom Boxing bestätigte bei der Bekanntgabe des Vertrags mit Ruiz im Juli, dass der 36-jährige Schwergewichtler wieder mit dem Mann trainiert, der 2019 in seiner Ecke stand, als er für eine der größten Sensationen der modernen Schwergewichtsgeschichte sorgte. Ruiz stoppte Anthony Joshua damals im Madison Square Garden in New York in der siebten Runde und gewann die WBA-, IBF- und WBO-Titel. Damit wurde er der erste Schwergewichts-Weltmeister mexikanischer Abstammung, und der Sieg machte ihn über Nacht vom Ersatzherausforderer zu einem der größten Stars des Boxsports.
Nur sechs Monate später veränderte sich das Bild dramatisch. Im Rückkampf in Saudi-Arabien holte Joshua die Titel mit einem disziplinierten Kampf aus der Distanz durch einstimmige Punktrichterentscheidung zurück, während Ruiz nach dem Kampf offen zugab, dass seine Vorbereitung nicht dem Niveau entsprochen habe, das der Status eines Weltmeisters verlangte. Seine 283,7 Pfund beim Wiegen wurden zum Symbol jener Phase, besonders im Vergleich zu dem körperlichen Zustand, in dem er den ersten Sieg erzielt hatte. Die Rückkehr zu Robles besitzt deshalb sowohl sportlichen als auch symbolischen Wert: Ruiz versucht, jene Zusammenarbeit wiederherzustellen, die dem größten Ergebnis seiner Karriere vorausging, nun jedoch in einer völlig anderen Lebensphase und mit deutlich weniger Zeit für einen neuen Aufstieg. Matchroom gab bekannt, mit Ruiz einen Promotionsvertrag über mehrere Kämpfe abgeschlossen zu haben, und der Boxer machte dabei deutlich, dass sein Ziel darin besteht, zum zweiten Mal Weltmeister zu werden.
Knyba bringt Größe, Reichweite und Erfahrung aus dem Kampf mit Agit Kabayel mit
Damian Knyba kommt nicht nur als Gegner nach Newark, der für Ruiz' Rückkehr ausgewählt wurde. Der polnische Schwergewichtler ist etwa 201 Zentimeter groß und besitzt eine ausgesprochen große Reichweite, was ihm ein völlig anderes körperliches Profil als Ruiz verleiht. Beim Wiegen brachte er jedoch 255,5 Pfund auf die Waage und damit fast genauso viel wie der ehemalige Champion. Knyba geht mit einer Profibilanz von 17 Siegen und einer Niederlage in den Kampf, wobei er seine einzige Niederlage im Januar 2026 gegen Agit Kabayel in Oberhausen erlitt. The Ring berichtete, dass Kabayel Knyba damals in der dritten Runde eines Kampfes um den WBC-Interimstitel im Schwergewicht stoppte.
Dieser Kampf verschaffte Knyba Erfahrung auf einem Niveau, das deutlich über dem der meisten seiner vorherigen Auftritte lag. Gegen Kabayel zeigte er, dass er seine Reichweite einsetzen und einen gefährlichen Gegner in der Anfangsphase auf Distanz halten kann, doch er hielt nicht stand, als der deutsche Schwergewichtler den Druck erhöhte und begann, erfolgreich mit Körpertreffern zu arbeiten. Ruiz stellt eine andere Herausforderung dar: Er ist kleiner, besitzt schnellere Hände in Kombinationen und sucht traditionell nach Gelegenheiten für explosive Schlagabtausche auf kurze Distanz. Für Knyba wird es daher entscheidend sein, den Jab einzusetzen, den Raum zu kontrollieren und seinen körperlichen Vorteil zu nutzen, ohne unnötig in Ruiz' Rhythmus zu geraten. Ein Sieg über einen ehemaligen vereinigten Champion wäre mit Abstand das größte Ergebnis seiner Profikarriere und könnte ihn unmittelbar wieder in die breitere Diskussion über relevante Herausforderer im Schwergewicht bringen.
Newark als Beginn einer neuen Phase unter Matchroom
Das Prudential Center bestätigte offiziell, dass die Veranstaltung am 4. September stattfindet und Ruiz gegen Knyba den Hauptkampf des Programms bildet. Die Halle in Newark, einer großen Stadt im Bundesstaat New Jersey im Großraum New York, beherbergt regelmäßig große Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen und besitzt für Ruiz' Rückkehr zusätzliche symbolische Bedeutung, weil sein größter Triumph auf der anderen Seite des Hudson River im Madison Square Garden stattfand. Laut dem Zeitplan der Halle öffnen die Türen um 17 Uhr Ortszeit, das Programm beginnt um 17:30 Uhr. Der Veranstalter gibt an, dass die Veranstaltung in den Vereinigten Staaten auf TNT, truTV und DAZN übertragen wird, während für den internationalen Markt DAZN vorgesehen ist. Die genaue Uhrzeit des Hauptkampfs hängt von der Dauer der vorherigen Kämpfe ab.
Auf dem Programm steht außerdem der Mittelgewichtskampf zwischen Vito Mielnicki Jr. und Austin "Ammo" Williams, den die Veranstalter als einen der wichtigsten Vorkämpfe des Abends präsentieren. Mielnicki ist ein Boxer aus New Jersey und gab 2019 im Prudential Center sein Profidebüt, sodass sein Auftritt der Veranstaltung ein deutliches lokales Element verleiht. Das weltweite Interesse an der Veranstaltung konzentriert sich dennoch vor allem auf die Frage, ob Ruiz erneut zu einem relevanten Faktor im Schwergewicht werden kann. Matchrooms Vertrag deutet darauf hin, dass der Plan nicht auf einen einzigen Rückkehrkampf begrenzt ist, sondern auf eine Reihe von Auftritten, durch die er sich bei Siegen und guten Leistungen schrittweise größeren Namen annähern könnte. In diesem Zusammenhang stellt Knyba einen ernsthafteren Test dar als ein typischer Gegner für eine leichte Rückkehr nach einer langen Pause.
Das Gewicht ist wichtig, aber die Antwort muss im Ring kommen
Ruiz' Karriere hat bereits gezeigt, wie schnell sich die Position im Schwergewicht verändern kann. Im Frühjahr 2019 war er nicht die erste Wahl für einen Angriff auf Joshuas Titel, und wenige Wochen später war er nach einem Sieg, der die Wahrnehmung seiner Qualität veränderte, Weltmeister. Bis zum Ende desselben Jahres verlor er die Gürtel wieder, und die Zeit danach war von seltenen Auftritten, Veränderungen im Trainerteam, Verletzungen und Fragen zur körperlichen Vorbereitung geprägt. Nun kehrt er im Alter von 36 Jahren mit einer Profibilanz von 35 Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden sowie 22 K.-o.-Siegen zurück, wie Matchroom angibt. Das ist genügend Erfahrung, damit seine Rückkehr Interesse weckt, aber zugleich eine ausreichend lange Geschichte von Schwankungen, sodass allein eine gute Form beim Wiegen kein endgültiger Beweis für eine erfolgreiche Rückkehr sein kann.
Genau deshalb hat die Zahl von 254,3 Pfund eine doppelte Bedeutung. Einerseits handelt es sich um Ruiz' niedrigstes Gewicht seit acht Jahren und einen deutlichen Unterschied zu den 274,4 Pfund aus dem Miller-Kampf. Andererseits werden Schwergewichtskämpfe nicht auf der Waage gewonnen: Ruiz muss zeigen, dass er das Tempo halten, gegen den 201 Zentimeter großen Knyba schnell die Distanz verkürzen und seine Schläge wirkungsvoll kombinieren kann, ohne lange Phasen der Passivität. Mehr als zwei Jahre ohne offiziellen Kampf erhöhen die Unsicherheit zusätzlich, insbesondere wenn der Kampf in die späteren Runden geht. Für seinen Wunsch nach einem neuen Angriff auf einen Weltmeistertitel ist das Ergebnis notwendig, doch eine überzeugende Leistung könnte fast ebenso wichtig sein.
Knyba hingegen kann es sich nicht leisten, diesen Kampf lediglich als Teil der Rückkehrgeschichte eines anderen zu betrachten. Nach der Niederlage gegen Kabayel erhält er eine Chance gegen einen Boxer, dessen Name international weiterhin großes Gewicht besitzt, sodass ein Sieg in Newark seinen eigenen Weg erheblich beschleunigen könnte. Der Unterschied bei Körpergröße und Reichweite gibt ihm ein klares taktisches Werkzeug, während Ruiz unvergleichlich mehr Erfahrung aus großen Kämpfen und den Beweis mitbringt, dass er einen Kampf gegen einen Elitegegner vorzeitig beenden kann. Gerade dieses Aufeinandertreffen von Erfahrung, Stil und körperlichen Proportionen verleiht dem Hauptkampf des Abends mehr sportlichen Gehalt, als man von einer gewöhnlichen Rückkehr eines ehemaligen Champions erwarten würde. Das Wiegen lieferte das erste Zeichen dafür, dass Ruiz seine Vorbereitung ernst genommen hat; nun bleibt die Frage, ob sich diese Veränderung in eine Leistung umsetzen lässt, die ihn tatsächlich wieder in Richtung Spitze des Schwergewichts führen könnte.
Quellen:
- Matchroom Boxing - offizielle Mitteilung über den Vertrag mit Andy Ruiz Jr., seine Profibilanz, die Rückkehr zu Manny Robles und das Ziel eines neuen Weltmeistertitels (Link)
- Prudential Center - offizielle Angaben zur Veranstaltung Ruiz Jr. - Knyba in Newark, zum Termin, zur Übertragung und zum Rahmenprogramm (Link)
- Boxing News Online - Angaben vom offiziellen Wiegen, Ruiz' 254,3 Pfund und Vergleich mit seinen früheren Gewichten (Link)
- talkSPORT - Bericht über Ruiz' Gewichtsverlust, die Phase mit mehr als 300 Pfund und die Vorbereitung auf seine Rückkehr (Link)
- The Ring - Bericht über den Kampf Agit Kabayel - Damian Knyba vom Januar 2026 und Knybas erste Profiederlage (Link)
- World Boxing Council - Ergebnis von Ruiz' Kampf gegen Jarrell Miller vom August 2024 und die offiziellen Punktrichterkarten (Link)
- Premier Boxing Champions - Bericht über Ruiz' Sieg gegen Luis Ortiz im Jahr 2022 und die drei Niederschläge in diesem Kampf (Link)