Luka Modrić hat noch nicht entschieden, ob er weiter für Kroatien spielt: Zunächst möchte er mit Bilić und dem HNS sprechen
Luka Modrić hat noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob er seine Nationalmannschaftskarriere nach der Weltmeisterschaft 2026 fortsetzen wird. Der Kapitän Kroatiens, der am 9. September 41 Jahre alt wird, bestätigte in einem Gespräch mit der spanischen Zeitung AS, dass er vor seiner Entscheidung mit dem Kroatischen Fußballverband und dem neuen Nationaltrainer Slaven Bilić sprechen möchte. Damit ist die Frage nach seiner Zukunft vor dem Beginn der neuen Ausgabe der UEFA Nations League erneut zu einem der zentralen Themen geworden. Kroatien steht bereits am 26. September ein Auswärtsspiel gegen Tschechien in Prag bevor, drei Tage später, am 29. September, folgt die Partie gegen den amtierenden Weltmeister Spanien in Sevilla. Nach den derzeit verfügbaren Informationen ist nicht offiziell bestätigt, ob Modrić für diese Begegnungen zur Verfügung stehen wird.
Modrić machte in dem Anfang September veröffentlichten Interview deutlich, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist. Laut AS sagte er, dass er zunächst mit dem Verband und Bilić sprechen müsse, der die Nationalmannschaft im Juli nach dem Abschied von Zlatko Dalić übernommen hatte. Der kroatische Mittelfeldspieler schloss die Tür für eine Fortsetzung seiner Einsätze für die Nationalmannschaft dabei nicht, kündigte aber auch nicht an, dass er definitiv bleiben werde. Sein Ansatz entspricht der Art und Weise, wie er in den vergangenen Jahren über das Ende seiner Karriere gesprochen hat: ohne ein im Voraus festgelegtes Datum und unter Berücksichtigung seines körperlichen Zustands, seiner Motivation und der Rolle, die er auf höchstem Niveau noch einnehmen kann. Gerade deshalb wird das Gespräch mit dem neuen Nationaltrainer vor dem ersten Zusammenkommen Kroatiens nach der Weltmeisterschaft wichtig sein.
Bilićs Rückkehr eröffnet ein neues Kapitel
Slaven Bilić wurde am 13. Juli 2026 durch einen Beschluss des Exekutivkomitees des Kroatischen Fußballverbands zum Nationaltrainer ernannt. Der HNS teilte damals mit, dass Bilić auf Vorschlag des Verbandspräsidenten Marijan Kustić einstimmig gewählt worden sei, nachdem Zlatko Dalić sein Mandat nach der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko beendet hatte. Für Bilić ist es die zweite Amtszeit auf der Bank der A-Nationalmannschaft. Er führte Kroatien erstmals von 2006 bis 2012, und in diesem Zeitraum entwickelte sich Modrić von einem vielversprechenden Mittelfeldspieler zu einem der Schlüsselspieler der Nationalmannschaft.
Die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten reicht auch in die Zeit vor Modrićs Etablierung in der A-Nationalmannschaft zurück. Bilić trainierte ab 2004 die kroatische U-21-Nationalmannschaft, während Modrićs erste Berufung in die A-Auswahl vom damaligen Nationaltrainer Zlatko Kranjčar kam. Nach Angaben der UEFA debütierte Modrić am 1. März 2006 beim 3:2-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien für die kroatische A-Nationalmannschaft. Bilić übernahm nach der Weltmeisterschaft desselben Jahres die A-Nationalmannschaft und arbeitete in den folgenden sechs Jahren mit Modrić zusammen. Im aktuellen Gespräch mit AS beschrieb Modrić ihr Verhältnis sehr positiv und bewertete Bilićs Rückkehr als einen guten Schritt des Verbands.
Auch Bilić selbst betonte bei seinem Amtsantritt, wie wichtig ihm das Gespräch mit dem Kapitän sei. Auf der Antrittspressekonferenz des HNS sagte er, dass er als eine seiner ersten Maßnahmen mit den Spielern und vor allem mit Modrić sprechen wolle. Gleichzeitig betonte er, dass die Entscheidung ausschließlich beim Spieler liegen müsse. Eine solche öffentliche Botschaft zeigt, dass der neue Trainerstab die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit offenhalten möchte, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, Modrićs Entscheidung sei bereits im Voraus gefallen. Für Bilić ist dies zugleich die erste große Personalfrage seiner zweiten Amtszeit als Nationaltrainer.
Kroatien erwartet ein anspruchsvoller Start in die Nations League
Die Ungewissheit um Modrić ist besonders wichtig wegen des Spielplans, der bereits Ende September beginnt. Nach dem offiziellen Spielplan des HNS und der UEFA tritt Kroatien in Gruppe A3 der Liga A gemeinsam mit Spanien, England und Tschechien an. Das erste Spiel findet am 26. September gegen Tschechien in Prag statt, anschließend folgt am 29. September das Auswärtsspiel gegen Spanien in Sevilla. Bereits am 3. Oktober folgt das Heimspiel gegen England in Rijeka, und am 6. Oktober empfängt Kroatien Spanien in Split. Der abschließende Teil der Gruppenphase bringt am 12. November das Auswärtsspiel gegen England und am 15. November das Heimspiel gegen Tschechien in Osijek.
Für die Ausgabe 2026/27 hat die UEFA ein ungewöhnlich dichtes erstes Länderspielfenster vorgesehen, sodass die Nationalmannschaften in der Nations League innerhalb kurzer Zeit von Ende September bis Anfang Oktober vier Spieltage absolvieren werden. Dadurch gewinnen Kaderbreite, Verteilung der Einsatzminuten und Belastungssteuerung zusätzlich an Bedeutung, besonders bei Spielern, die gleichzeitig anspruchsvolle Verpflichtungen im Verein haben. In Liga A qualifizieren sich die beiden bestplatzierten Mannschaften jeder Gruppe für das Viertelfinale, der Drittplatzierte geht in die Play-offs um den Verbleib in der höchsten Spielklasse, während der Letzte in Liga B absteigt. Für Kroatien bringt der Beginn von Bilićs zweiter Amtszeit somit sofort Wettbewerbsdruck und Duelle mit Gegnern aus der europäischen Spitze.
Modrićs Erfahrung kann in einem solchen Spielplan von großer Bedeutung sein, selbst wenn seine mögliche Rolle nicht mit jener aus den vorherigen Zyklen identisch sein sollte. Es handelt sich um einen Spieler, der seit mehr als zwei Jahrzehnten im Nationalmannschaftsfußball präsent ist und an die größten Spiele gewöhnt ist, doch jede Entscheidung über eine Fortsetzung seiner Karriere müsste sein Alter, den Vereinskalender und die Art berücksichtigen, wie Bilić ihn im neuen Zyklus sieht. Derzeit gibt es keine offiziellen Informationen darüber, ob ein möglicher Verbleib das vollständige Wettbewerbsprogramm, selektivere Einsätze oder eine andere Verteilung der Spielminuten bedeuten würde. All diese Varianten bleiben Spekulation, bis Modrić, Bilić und der HNS das angekündigte Gespräch geführt haben.
Die Weltmeisterschaft 2026 brachte keinen endgültigen Abschied
Die Frage nach Modrićs Zukunft in der Nationalmannschaft ist nach der Weltmeisterschaft 2026, seiner fünften Teilnahme an einer Endrunde, zusätzlich offen geblieben. Kroatien belegte in Gruppe L nach einer 2:4-Niederlage gegen England sowie Siegen von 1:0 gegen Panama und 2:1 gegen Ghana den zweiten Platz. Im Sechzehntelfinale, der neuen Runde der 32 Mannschaften, die mit der Erweiterung des Turniers eingeführt wurde, verlor Kroatien in Toronto mit 1:2 gegen Portugal. Laut FIFA-Bericht brachte Ivan Perišić Kroatien in Führung, Cristiano Ronaldo glich per Elfmeter aus, und Gonçalo Ramos erzielte in der Schlussphase den Siegtreffer.
Bei diesem Turnier erreichte Modrić ein weiteres außergewöhnliches Jubiläum in der Nationalmannschaft. Beim Sieg gegen Panama absolvierte er sein 200. Spiel für Kroatien, und die FIFA hob diesen Wert als eine der seltenen Leistungen im internationalen Fußball hervor. Bis zum Ende des kroatischen Turnierauftritts stieg die Zahl seiner Einsätze auf 202, was auch Berichte bestätigten, die Anfang September veröffentlicht wurden. Modrić absolvierte zudem bei fünf Weltmeisterschaften insgesamt 23 Spiele und gehört damit zu den Fußballern mit den meisten Einsätzen in der Geschichte dieses Wettbewerbs.
Die Weltmeisterschaft brachte dennoch keine formelle Mitteilung über das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere. Nach dem Ausscheiden verlagerte sich der Fokus schnell auf den Trainerwechsel und den Beginn eines neuen Zyklus. Dalić beendete eine Ära, die den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft 2018, den dritten Platz 2022 und den zweiten Platz in der Nations League 2023 umfasste, während Bilić die Aufgabe erhielt, den Prozess mit einer Generation fortzusetzen, die sich schrittweise verändert. In diesem Zusammenhang hat Modrićs Entscheidung eine umfassendere Bedeutung als nur die Frage, ob er in einem oder zwei September-Spielen auflaufen wird: Sie beeinflusst auch die Art und Weise, wie der Übergang zwischen zwei Epochen der Nationalmannschaft gestaltet wird.
Die Vereinskarriere wird in Mailand fortgesetzt
Während sein Status in der Nationalmannschaft offen ist, steht Modrićs Vereinszukunft für die Saison 2026/27 bereits fest. AC Milan gab am 23. Juli offiziell bekannt, dass der kroatische Mittelfeldspieler einen Vertrag bis zum 30. Juni 2027 unterschrieben hat. Der Verein erklärte, dass er in seiner ersten Saison im rot-schwarzen Trikot 37 Einsätze absolviert und zwei Tore erzielt habe und weiterhin ein wichtiger Teil der Mannschaft sei. Modrić erklärte im Interview mit AS, dass er sich nach einer Einschätzung seiner eigenen Motivation und seines körperlichen Zustands sowie nach Gesprächen mit Verantwortlichen in Mailand über das Projekt für die neue Saison für die Fortsetzung seiner Vereinskarriere entschieden habe.
Eine weitere Bestätigung dafür, dass er weiterhin auf hohem Niveau konkurrenzfähig ist, erhielt er unmittelbar vor der aktuellen Diskussion um die Nationalmannschaft. Der Kroatische Fußballverband teilte am 3. September mit, dass Modrić zusammen mit Hakan Çalhanoğlu und Scott McTominay im Mittelfeld in die ideale Mannschaft der Serie A für die Saison 2025/26 gewählt worden sei. Eine solche Auszeichnung liefert für sich allein keine Antwort auf die Frage nach einer Fortsetzung seiner Einsätze für Kroatien, zeigt aber, dass die Diskussion über seine Zukunft nicht ausschließlich mit seinem Alter verbunden ist. Modrić spielt weiterhin in einer der führenden europäischen Ligen und geht mit einem bis zum Sommer 2027 laufenden Vertrag in die neue Saison.
Auch gegenüber AS wollte er nicht bestätigen, dass diese Saison seine letzte im Profifußball sein werde. Er erklärte, dass er im Laufe des Jahres beobachten werde, wie er sich fühle, und seine Entscheidungen entsprechend treffen werde. Ein solcher Ansatz ist auch für das Verständnis des Nationalmannschaftsdilemmas wichtig: Die Fortsetzung seiner Vereinskarriere bedeutet nicht automatisch auch eine Fortsetzung seiner internationalen Karriere, ebenso wie ein möglicher Abschied von der Nationalmannschaft nicht zwangsläufig das Ende seiner Zeit bei Milan bedeuten würde. Es handelt sich um zwei getrennte Entscheidungen, auch wenn Belastung, Motivation und die Einschätzung der eigenen Rolle sie miteinander verbinden.
Mehr als die Frage einer einzigen Länderspielphase
Ein möglicher Verbleib Modrićs hätte sowohl symbolisches als auch sportliches Gewicht. Seit seinem Debüt 2006 wurde er Kapitän, Rekordnationalspieler und zentrale Figur der erfolgreichsten Ära der kroatischen Nationalmannschaft. Er führte die Mannschaft ins Finale der Weltmeisterschaft 2018, auf den dritten Platz 2022 und ins Finale der Nations League 2023, und 2018 gewann er zudem den Ballon d'Or. Seine außergewöhnliche Langlebigkeit gewann bei der Weltmeisterschaft 2026 zusätzlich an Bedeutung, als er die Marke von 200 Einsätzen erreichte und im Alter von 40 Jahren weiterhin gegen die besten Nationalmannschaften der Welt spielte.
Auf der anderen Seite übernimmt Bilić eine Mannschaft in einem Moment, in dem er gleichzeitig Kontinuität bewahren und eine neue Hierarchie entwickeln muss. Die Nationalmannschaft verfügt bereits über eine Reihe etablierter Spieler mit Erfahrung bei großen Turnieren, doch der Beginn der Amtszeit eines neuen Nationaltrainers wirft naturgemäß Fragen über die Verteilung der Verantwortung in der Kabine und auf dem Platz auf. Modrićs Entscheidung wird daher auch für andere Mittelfeldspieler und für die Art wichtig sein, wie die Mannschaft in der Nations League und in späteren Qualifikationszyklen zusammengestellt wird. Unabhängig vom Ausgang des Gesprächs ist klar, dass der HNS und der Nationaltrainer die Entscheidung in direkter Kommunikation mit dem Spieler treffen möchten, der die vergangenen zwei Jahrzehnte des kroatischen Nationalmannschaftsfußballs geprägt hat.
Vorerst ist die wichtigste Tatsache, dass es keine endgültige Bestätigung gibt. Modrić hat seinen Abschied nicht bekannt gegeben, aber auch nicht bestätigt, dass er beim ersten Zusammenkommen unter Bilić dabei sein wird. Die nächste Frist ergibt sich aus dem Spielplan selbst: Kroatien eröffnet die Nations League am 26. September in Prag gegen Tschechien, und am 29. September folgt das Auswärtsspiel gegen Spanien in Sevilla. Da der Kader und die Vorbereitungen vor diesen Spielen festgelegt werden müssen, wird erwartet, dass Gespräche zwischen dem Kapitän, dem Nationaltrainer und dem Verband die Situation bald klären werden. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob Luka Modrić nach 202 Einsätzen seiner Rekordkarriere in der Nationalmannschaft weitere Kapitel hinzufügen wird.
Quellen:
- AS – Interview mit Luka Modrić über die Fortsetzung seiner Karriere, sein Verhältnis zu Slaven Bilić und die Entscheidung über seine Zukunft in der Nationalmannschaft (Link)
- Kroatischer Fußballverband – offizielle Mitteilung über die Ernennung von Slaven Bilić zum Nationaltrainer Kroatiens (Link)
- Kroatischer Fußballverband – Bilićs Antrittspressekonferenz und Ankündigung eines Gesprächs mit Luka Modrić (Link)
- Kroatischer Fußballverband – Kroatiens Spielplan in der Nations League 2026/27 und Informationen zum Wettbewerbsformat (Link)
- UEFA – offizieller Spielplan und Zusammensetzung der Gruppe A3 der Nations League 2026/27 (Link)
- FIFA – Bericht über das Spiel Portugal - Kroatien und das Ende des kroatischen Auftritts bei der Weltmeisterschaft 2026 (Link)
- FIFA – Angaben zu Luka Modrićs 200. Einsatz für Kroatien und seinen Erfolgen in der Nationalmannschaft (Link)
- AC Milan – offizielle Bestätigung der Verlängerung von Modrićs Vertrag bis zum 30. Juni 2027 (Link)
- Kroatischer Fußballverband – Mitteilung über Luka Modrićs Wahl in die ideale Mannschaft der Serie A für die Saison 2025/26 (Link)
- FIFA – Statistik der Spieler mit den meisten Einsätzen bei Weltmeisterschaften, einschließlich Modrićs 23 Spielen bei fünf Turnieren (Link)
- HRT / Hina – Bericht über Modrićs Aussage und die Zahl von 202 Einsätzen für die kroatische Nationalmannschaft (Link)